intermedium records logo
 
 

 

   ¬  über

      ¬  neues

   ¬  records

   ¬  künstler

   ¬  bestellen

   ¬  kontakt

   ¬  links

 

Polle Wilbert - illegal

intermedium rec. 033
VÖ: 10.10.2008
 

Mit: Hilke Alterfrohne / Tabea Bettin / René Dumont / Peter Fricke / Bernd Moss / Thomas Schmauser
Musik: Kamerakino

Illegal entstand als Hörspiel parallel zum gleichnamigen Theaterprojekt, das im Juni 2008 im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele Premiere hatte.
Das Hörspiel nimmt die Spur illegalisierter Menschen auf, die sich im Alltag zumeist tadellos verhalten, damit sie nicht erkannt und abgeschoben werden. Sie machen sich unsichtbar. 40.000 bis 50.000 von ihnen leben ohne staatliche Erlaubnis allein in München. Eigentlich dürfte es sie gar nicht geben. Was sie aus der ganzen Welt zu uns führt, ist die Unmöglichkeit aus ökonomischen wie politischen Gründen, im Heimatland länger ein menschenwürdiges Leben zu führen. Sichtbar werden diese Menschen als Arbeitskräfte in der Gastronomie, in privaten Haushalten als Pflege- und Haushaltshilfen und als Sexarbeiterinnen.
Illegalisierte Menschen und ihre Familien müssen ihren Alltag organisieren. Sie brauchen Arbeit, Wohnungen und ärztliche Versorgung. Ihre Kinder besuchen Schulen, haben Freunde. Dies alles muss im Verborgenen geschehen. Sie wenden ein hohes Maß an Geld, Zeit, kreativer Energie und zähem Durchhaltevermögen auf, um hier ihren Traum vom besseren Leben verwirklichen zu können.

Polle Wilbert, eigentlich Björn Bicker, geb. 1972, Dramatiker und Dramaturg. Studium in Tübingen und Wien, seit 2001 Dramaturg an den Münchner Kammerspielen. 2004 bis 2006 gemeinsam mit Peter Kastenmüller und Michael Graessner künstlerische Leitung des Stadtprojekts BUNNYHILL. Autor mehrerer Theaterstücke, u.a. Maries Fest (2004), Am Tag der jungen Talente (2005), Mein Teppich ist mein Orient (2007).

Realisation: Peter Kastenmüller / Michael Graessner / Björn Bicker
BR in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen 2008
Dauer: 62 Minuten
ISBN 978-3-939444-60-2 EAN 9783939444602

Links:
www.br-online.de/hoerspiel
illegal in den Münchner Kammerspielen
www.intermedium-rec.com
www.intermedium.de
 


 
Andreas Ammer / Saam Schlamminger - SEHE DICH ISTANBUL, MEINE AUGEN GESCHLOSSEN

Electric Field Recordings

intermedium rec. 031
VÖ: 18.07.2008
 

Mit: Feridun Zaimoglu, Sezer Duru, Amed Dogan, Sema Moritz, Süren Asatryan, Birol Topaloglu

Andreas Ammer, vielfach preisgekrönter Hörspiel-Macher, und der in Istanbul geborene und in München lebende iranische Musiker Saam Schlamminger (alias /Chronomad/) haben sich mit ihren Aufzeichnungsgeräten auf die Straßen von Istanbul begeben. Sie haben Musiker getroffen, die Mitte der Welt gefunden und Material nach Hause gebracht, das fern jeglicher Weltmusikklischees ist. Diese Aufnahmen, im Alltag Kulisse für Nachrichten aus einer Welt, die den meisten von uns weitestgehend unbekannt ist, fügen Ammer / Schlamminger zu einem Klangbild Istanbuls, das dem Hörer Schönheit und urbanes Selbstverständnis dieser Metropole erschließt.
Und sie trafen den türkischstämmigen Autor und bildenden Künstler Feridun Zaimoglu, der ihnen die Geschichte einer großen Liebe in Istanbul erzählte.

Realisation: Andreas Ammer / Saam Schlamminger
Dauer: 49’26 Minuten
Produktion: BR Hörspiel und Medienkunst 2008
© Bayerischer Rundfunk / Hörspiel und Medienkunst
ISBN 978-3-939444-41-1 EAN 9783939444411

Links:
www.saam-schlamminger.de
www.br-online.de/hoerspiel
www.intermedium-rec.com
www.intermedium.de
 


 
Wir freuen uns, ein zweites Album von Thomas Meinecke & Move D veröffentlichen zu dürfen.
Nach Tomboy / Freud's Baby erschienen mit flugbegleiter und übersetzungen/translations
am 4. April zwei weitere für den BR produzierte Hörstücke als Doppel-CD:

 
thomas meinecke & move d – flugbegleiter
und übersetzungen/translations (2CDs)

intermedium rec. 030
VÖ: 04.04.2008
 

flugbegleiter:
Karol arbeitet als Flugbegleiter bei der Lufthansa. In seiner Freizeit widmet er sich mit Vorliebe Resignifizierungen in der Musik: Wenn leichtverständlicher Swing zu schwierigem Be-Bop umkodiert wird oder Disco als House Music erneut in den sexuell andersdenkenden Underground abtaucht. Insbesondere beschäftigt ihn die Frage, was eigentlich vorgefallen ist, wenn einer Musik vorgeworfen wird, sie sei zu süß. Karol gerät zunehmend in den Bann der Queer Music, begeistert sich für die Ästhetik des Camp, die er gemeinsam, teils in einem dezenten Liebesreigen, teils mittels theoretischer Lektüren und Erörterungen, mit seinen Kolleginnen Heidi, Ashley, Kristina sowie seinem Kollegen Felix in diversen Hotelzimmern der Welt auslotet. Seine heterosexuelle Orientierung erkennt er dabei gleichsam als das Andere der Homosexualität.
In seinem Roman Tomboy, der dem Hörspiel gleichen Titels zugrunde liegt, widmete sich Thomas Meinecke der sozialen Konstruktion der Frau. Das Hörspiel flugbegleiter, das zeitgleich zu Meineckes neuem Roman Musik entstanden ist, stellt die Frage in den Mittelpunkt: Was ist eigentlich ein Mann? Während in der Hörspielfassung von Tomboy Meinecke und Move D mit einzelnen vom Autor gelesenen Textausschnitten als Material-Endlosloops auf den Soundflächen des Komponisten arbeiteten, präsentiert flugbegleiter den Autor als Interpreten der verwobenen Geschichten seiner Protagonisten, die sich immer wieder auf Karols Themen zubewegen. Move D's zitatreichen Kompositionen begleiten den jet-settenden, musikbewegten Diskurs. In freundlicher Übernahme erzählen sie die in flugbegleiter theoretisch erörterten Komplexe ohne Worte weiter.

übersetzungen/translations:
Seit zehn Jahren produzieren der Musiker und Studiobetreiber David Moufang alias Move D und der Schriftsteller und Musiker Thomas Meinecke gemeinsam Sonic Fiction für die Abteilung Hörspiel und Medienkunst des BR. Meistens basierten diese Stücke auf literarischen Texten Meineckes, waren (wie Tomboy, Freud's Baby oder flugbegleiter) musikalische Variationen auf seine zugleich entstehenden (und im Suhrkamp Verlag erscheinenden) Romane, syntaktisch, nicht selten dekonstruktivistisch verwoben mit den überwiegend elektronisch generierten Patterns Move D's, der eine international gefeierte Größe der instrumentalen Techno Music ist, nicht selten aber ebenso mit Jazzmusikern wie dem Vibraphonisten Karl Berger zusammenarbeitet (der auf Tomboy und Freud's Baby mitwirkte). Ansatz- und Ausgangspunkt der aktuellen Produktion übersetzungen/translations war der Wunsch, einmal eine Arbeit zu erstellen, bei der nicht zuerst (und damit letzten Endes übergeordnet) ein Text existierte, sondern die eher abstrakte, serielle Narrativität der Musik als gleichberechtigt, eigentlich sogar tonangebend erscheinen würde. In einem Studio des BR in München buchstabierte beziehungsweise sang Thomas Meinecke das deutsche und englische/amerikanische Alphabet in allen zwölf Tönen der Tonleiter und nahm diese Aufnahme, einzelnen Tasten einer Schreibmaschine gleich, mit nach Heidelberg, wo in Moufangs Re-Source Studio Wörter und Töne, ohne Einsatz eines Mikrophons für die Stimme, spontan ineinander verschränkt, gleichsam synchron (zusammen-) gesetzt wurden, mit dem einzigen übergeordneten Prinzip: einer Übersetzung vom Deutschen ins Englische, respektive umgekehrt. Diese auffallend lakonisch gelagerten Übertragungen mussten nicht immer in verbaler Weise (Osterglocke/Daffodil) stattfinden, sondern ihr Schwerpunkt, ihr Drall, ihr Gefälle konnte auch kulturell (Ursula Andress), politisch (Henry Kissinger) oder ökonomisch (Mini Cooper) kodiert sein. Thomas Meinecke, der seit 1980 in der Münchner Band F.S.K. spielt, brachte seine Pocket Trumpet mit und griff einmal auch zu David Moufangs Gitarre. Zehn sehr verspielte, in ihrer Vertracktheit mitunter an surrealistische Vexierbilder erinnernde bis unmittelbar (und vor Ort als solche getestete) clubtaugliche Tracks sind auf diese Weise binnen einer Woche am Neckar entstanden, eher ein Album als ein Wörterbuch.
 

Die Jury der hr2 Hörbuch-Bestenliste hat flugbegleiter & übersetzungen/translations von Thomas Meinecke und Move D zum Hörbuch des Monats April gewählt. Wir gratulieren den Künstlern und bedanken uns herzlich bei der Jury.

Der Autor Thomas Meinecke und der Musiker David Moufang erhalten den vom Südwestrundfunk (SWR) gestifteten Karl-Sczuka-Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst.

Weitere Informationen, Bilder und das Cover der am 4. April erschienenen Doppel-CD finden Sie auf unseren Service-Seiten HIER.

Bemusterungs-Exemplare können jederzeit bestellt werden.
 


 
AMMER, KLUGE & CONSOLE
Eigentum am Lebenslauf.

Das Gesamte im Werk des Alexander Kluge.

intermedium rec. 029
VÖ: 21.09.2007
 

Alexander Kluge hat in seinem Leben viel erzählt. "Lebensläufe" hießen die Geschichten, mit denen der spätere Filmemacher und Fernsehgestalter Anfang der 60iger Jahre erstmals als Schriftsteller öffentlich auftrat. Sie seien "teils erfunden, teils nicht erfunden. Zusammen ergeben sie eine traurige Geschichte." Als am Ende des Jahrtausends dann Kluge sein "summum opus", die vieltausendseitige "Chronik der Gefühle" vorlegte, so trug deren zweite Hälfte immer noch den gleichen lakonischen Titel: "Lebensläufe". Zusammen ergaben die Geschichten die traurige Geschichte des 20. Jahrhunderts (beginnend mit dem Urknall).

Noch viel mehr hat sich Alexander Kluge in seinem Leben aber erzählen lassen:
In seinen TV-Magazinen ist er der geduldige Zuhörer, ein elektronischer Sokrates, der jeden seiner Gäste bis an die Grenze des erträglichen davon erzählen lässt, was ihr Leben und die gesamte Welt im Innersten zusammenhält.

Erzählen / lassen. Für Eigentum am Lebenslauf hat der vielfach ausgezeichnete Hörspielmacher Andreas Ammer die beiden Facetten des Alexander Kluge dialektisch zusammengefügt und daraus für den Bayerischen Rundfunk ein Hörspiel gemacht. Ammer hat Kluge mehrfach in seinem Münchner "Küchenstudio" besucht und ihn erzählen lassen: Sein Leben, sein Werk, und die Welt. Eigentum am Lebenslauf ist halb Erzählung, halb große Oper, manchmal Lesung, immer Lebenslauf und also "eine traurige Geschichte“, die – wenn nicht von 630 Millionen Jahren – dann vielleicht an dem Tag beginnt, als Kluge sich von Ammer "Techno-Musik" als Soundtrack für seine Worte wünschte: Console, aka Martin Gretschmann, hat diesen Wunsch grandios mit seinem Soundtrack erfüllt. Nur am Ende, nach der großen Katastrophe, quaken die Frösche.

"Was wir einen 'Lebenslauf' oder 'Wirklichkeit' nennen, sind Kokons der Wahrnehmung, die uns schützen. Ob sie etwas Reales sind, dürfen wir bezweifeln. So leben wir, in Lebensläufen und auf Kontinenten verteilt, kontinuierlich und erfahren in verschiedenen Wirklichkeiten." (Alexander Kluge)
 


 
EVA MEYER / ERAN SCHAERF – Flashforward
(DVD)

intermedium rec. 028
VÖ: 09.03.2007
 

"Es gibt nicht nur das, was war, sondern auch seine Möglichkeit": Der Film Flashforward lädt die anscheinend festgefahrene Gegenwart mit ihren Möglichkeiten auf. Ein mehrstimmiges Voice-Over, das eher als autonomes Hörspiel denn als klassischer Kommentar funktioniert, entwickelt dazu fiktive Szenarien wie das von einem "Sender, der Erinnerungen neu konfiguriert und in Flashforwards konvertiert." Im klassischen Erzählkino zeigt ein Flashback eine in der Vergangenheit liegende Episode aus der Perspektive einer Filmfigur; oft wird das Gesicht des Schauspielers gezeigt, und dann findet eine Überblendung statt. Ein Flashforward ist dagegen eine Vision der Zukunft, ebenfalls aus subjektiver Sicht, in die Ökonomie der klassischen Filmerzählung jedoch schwieriger zu integrieren als sein Gegenstück. Der Wirklichkeits- und Wahrheitsgehalt von Flashbacks wird nur manchmal – bei so genannten lying flashbacks – problematisiert, während bei Flashforwards prinzipiell unklar ist, welche Bedeutung man dem Gesehenen beimessen soll.

Der Film Flashforward ist eine Absage an die mit dem Flashback verbundene "Flucht in die Innerlichkeit"; das Versprechen einer möglichen Zukunft kann nur intersubjektiv sein, "zwischen Gedächtnis und Hoffnung" angesiedelt. Etwa als Liebe, oder "Gedächtnis zu zweit". Man könnte Flashforward auch als den Versuch werten, die klassische Filmstory überhaupt, die der Paarbildung (boy meets girl), zu politisieren und gegen die Kultur der erinnerten Innerlichkeit zu wenden.

Dazu trägt auch das Fehlen von lippensynchron gesprochenem Text bei. "Überblenden Sie sich mit Rollen", fordert das mehrstimmige Voice-Over, dessen Sprecher oft mitten im Satz wechseln. Dem Schauspieler wird in Flashforward der Statist entgegengesetzt: Nicht allzu sehr von festgelegten Rollen belastete 'Statisten der Zeit' sind vielleicht am Besten dazu geeignet, einen inneren Monolog zu zerschneiden und ihn – wie es im Film heißt – in ein öffentliches Gespräch zu verwandeln.

Wie um den Bruch mit der Linearität zu betonen, kommen in Flashforward immer wieder Kreisbewegungen und -formen vor. Eine lange Sequenz zeigt ein von einer kreisenden Kamera aufgenommenes Hörspielstudio; in diesem Studio exerzieren diverse Personen wiederholt einfache Bewegungen und Handlungen durch, doch legt die kreisende Kamera nie die gleiche Szene fest. In der "possibilistischen Logik" von Flashforward ist jede Wiederholung anders, eine kleine Zeitreise ins Mögliche.
Sven Lütticken

Flashforward
D 2004, 57 Minuten, DV, Farbe, Stereo
Buch / Regie / Kamera / Schnitt: Eva Meyer / Eran Schaerf
Sound: noto aka Carsten Nicolai (raster-noton)
Mit Elfriede Jelinek, Suchan Kinoshita, Eva Meyer, Hinrich Sachs, Inga Svala Thorsdottir, Laurence Rickels, Mitja Tušek
Redaktion: Herbert Kapfer
Produktion: BR Hörspiel und Medienkunst / intermedium / Haus der Kunst München

Erstaufführung: 07.10. - 28.11.2004, intermedium@utopia station, Haus der Kunst München
 


 
MICHAELA MELIÁN
Föhrenwald

intermedium records freut sich, Michaela Meliáns preisgekröntes Hörspiel "Föhrenwald" veröffentlichen zu dürfen. Der Bund der Kriegsblinden e.V. und Filmstiftung NRW verleihen zum 55. Mal die renommierte Auszeichnung. In diesem Jahr erhält Michaela Melián für "Föhrenwald" den Hörspielpreis der Kriegsblinden/Preis für Radiokunst.
 

Aus der Pressemeldung:
"Der Hörspielpreis der Kriegsblinden, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für Hörspielautoren zählt, wird gemeinsam vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen getragen. Mit dem Preis wird laut Statut jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produziertes Hörspiel ausgezeichnet, das „in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert".
Das Hörspiel "Föhrenwald", das die bildende Künstlerin und Musikerin Michaela Melián parallel zu einer multimedialen Installation gleichen Namens realisierte, wurde vom Bayerischen Rundfunk produziert und am 4. Juli 2005 urgesendet.

Entschließung der Jury:
Das Lager - eine Metapher für das zwanzigste Jahrhundert. Michaela Meliáns Hörspiel hat die Geschichte des Lagers Föhrenwald bei München zum Thema. Es war Lager zur Nazizeit, in der amerikanischen Zone und in der jungen Bundesrepublik: Zuerst Lager für Zwangsarbeiter, dann Lager für aus schlimmeren Lagern Befreite, schließlich Lager für Flüchtlinge. Michaela Melián setzt sich mit einem bedeutenden Thema auseinander, das sie mit großer Kunst stimmig aufarbeitet. Sehr verdichtet ist der Wechsel von Zeit und Bedeutung zusammengefasst in dem lakonisch zitierten Wechsel der Straßennamen in Föhrenwald: Adolf-Hitler-Platz - Independence Platz - Kolpingplatz.
Bei diesem aus persönlichen Berichten und historischen Quellen gestalteten Hörspiel würdigt die Jury sowohl die sorgfältige und ergebnisreiche Recherche wie die künstlerische Darstellung. Zwei Jahre lang suchte Melián Zeitzeugen aus allen Epochen des Lagers, gewann ihr Vertrauen und befragte sie. Ihr Interesse gilt vor allem der Zeit zwischen 1946 und 1956, als Föhrenwald Auffanglager für sogenannte 'displaced persons' war – befreite KZ-Häftlinge, die meisten osteuropäische Juden, die auf Ausreise nach Israel oder Amerika hofften.
Aus den Dokumenten gestaltet sie eine vielstimmige Komposition, die sehr klar, sehr konzentriert ist durch die Auswahl der Texte und durch die Darbietung: Die Erlebnisberichte werden nicht von den Zeitzeugen selbst, sondern von Schauspielern gesprochen. Dadurch werden sie vom Persönlichen abgelöst und auf eine andere Ebene gehoben. Durch die sparsam gewählten Mittel entsteht eine konzentrierte Ruhe, die den Hörer bannt.
Dem rhythmischen Wechsel der Stimmen, in dem das individuelle Schicksal immer wieder durch virtuos gesetzte Zäsuren als ein gebrochenes dargestellt wird, steht die fließende Hörspielmusik gegenüber. Melián komponierte sie gemeinsam mit Carl Oesterhelt aus kurzen Fragmenten alter, verrauschter und zerkratzter Schallplattenaufnahmen klassischer Musik. In dieser Musik wird Zeit als ein unaufhaltsamer Fluss der Geschichte vertont, der gleichgültig über Einzelschicksale hinweggeht.
Auf diese Weise setzt Melián historische Allgemeingültigkeit mit individuell Erlebtem in Beziehung und bereichert das Genre des Hörspiels um einen akustischen Ausdruck für erinnerndes Bewusstsein."

Musik: Michaela Melián und Carl Oesterhelt
Mit Marion Breckwoldt, Peter Brombacher, Philip Götz, Eva Gosciejewicz, Gabriel Hecker, Leonie Hofmann, Hans Kremer, Anna Barbara Kurek, Stefan Merki, und Stephan Zinner
Dramaturgie: Barbara Schäfer
Realisation: Michaela Melián
Produktion: Bayerischer Rundfunk mit dem Kunstraum München 2005
 


 
V.A.
Das Dieter Roth oRchester spielt kleine wolken, typische Scheiße und nie gehörte musik

Mit: Armand & Bruno, Andreas Dorau, Khan, Max Müller,
Ghostigital, Mouse on Mars, Mutter, Namosh, Stereo Total, Trabant,
Úlfur Hródólfsson, Walther von Goethe Quartett, Wollita, Wolfgang Müller

Hg. von Wolfgang Müller und Barbara Schäfer
 

"Ich glaube nicht, daß ich als Maler angefangen habe. Ich habe eigentlich als Dichter angefangen", sagte Dieter Roth 1981 in einem Interview mit der Radioautorin Mechthild Rausch. De facto war der Wahlschweizer und -isländer Roth Grafiker, Schmuck- und Möbeldesigner, Filmemacher, Maler und Bildhauer, Dichter und Musiker. Zwischen 1956 und 1998 realisierte Roth mehr als 200 Buchprojekte mit Texten aller Art, darunter etliche Gedichtsammlungen. Ebenso entstanden zahlreiche Musikaufnahmen, von denen er mehr als 20 in liebevollen Kleinst-Editionen auf Vinyl oder als Kassetten veröffentlichte. Roth war einer der vielseitigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seit seinem Tod 1998 wurde er bereits mehrfach international in großen Werkschauen und Ausstellungen geehrt. [...]

Das Dieter Roth Orchester spielt kleine wolken, typische scheiße und nie gehörte musik ist Teil einer von BR Hörspiel und Medienkunst initiierten dreiteiligen Radio-Hommage an Dieter Roth. Unter dem Motto jeder ist. so ein lärm waren Künstler/Autoren/Musiker eingeladen, sich ausgewählter literarischer und musikalischer Arbeiten und teils unveröffentlichter Materialien Roths anzunehmen. Es entstanden popmusikalische Konzepte, Songs, Kompositionen und Radiotexte einer jüngeren Generation, die sich von Roths Werk inspiriert und beeinflusst sieht, in Deutschland wie in Island, seiner zweiten Heimat. Die oft zarte, zurückgenommene, aber auch kontroverse und kalauernde Lyrik eignete sich überraschend gut als Textbasis für die Popsongs der Musiker, die Wolfgang Müller als Dieter Roth Orchester zusammengebracht hat. Auch wenn sie nicht gemeinsam auf einer Bühne oder im Studio auftraten, war das Kollaborative im Sinne Roths schon in der Person Wolfgang Müllers und der vielfachen Vernetzung der Künstler und Musiker aus Island, Berlin, Hamburg und Köln untereinander gegeben. Die Radio-Hommage an Dieter Roth konnte mit Hilfe langjähriger Begleiter und Kenner seiner Arbeiten entstehen, deshalb geht mein Dank an Björn Roth, Hansjörg Mayer, Barbara Wien und Johannes Ullmaier.
Barbara Schäfer

Dieter Roth: Grafiker, Maler, Bildhauer, Filmemacher, Dichter und Musiker (1930-1998). Lebte in der Schweiz, Island und Deutschland. Zahlreiche Gemeinschaftsarbeiten mit u.a. Daniel Spoerri, Arnulf Rainer, Oswald Wiener, Richard Hamilton, Emmett Williams, Dorothy Ianonne und seinem Sohn Björn Roth.
 
 


 
ROR WOLF
Gesammelte Fußballhörspiele

4 CDs im Schuber, umfangreiche Booklets
Gesamtlaufzeit: 241 min 13 sec; empf. VK: 34,90 €

Die heiße Luft der Spiele (1973) – Die Stunde der Wahrheit (1974/2006) –
Rückblick auf große Tage (1978) – Die alten Zeiten sind vorbei (1979) –
Schwierigkeiten beim Umschalten (1978) – Expertengespräche (1979) –
Merkwürdige Entscheidungen (1979) – Heinz, wie ist deine Ansicht? (1979) –
Der Ball ist rund (1979) – Cordoba, Juni 13 Uhr 45 (1979) –
Das langsame Erschlaffen der Kräfte (2006)

Herausgegeben von Jürgen Roth
 

Ror Wolfs Fußballhörspiele aus den siebziger Jahren – "Der Ball ist rund", "Schwierigkeiten beim Umschalten", "Die Stunde der Wahrheit" und sieben weitere – sind kaum jemals wieder erreichte Beispiele für eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Thema Fußball. Sie sind – montiert aus Originaltönen von Reportern, Experten, Fans – komisch und ernsthaft, leicht und grotesk, rasant und episch, elegant und aufregend. Sie haben den Fußball für die Literatur und die Hörspielkunst entdeckt, und sie sind, was wir mit dem Wort 'avantgardistisch' bezeichnen, ohne daß Ror Wolf explizit als Avantgardist aufgetreten wäre.

Die Gesamtedition macht die Fußballhörspiele von Ror Wolf erstmals vollständig zugänglich – in einer aufwendigen Aufmachung und mit umfangreichen Texten zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. Sie verzeichnet sämtliche radiophonen Daten und präsentiert bislang unbekannte Einsichten in die Arbeitsweise von Ror Wolf, dem bedeutendsten Fußballiteraten deutscher Sprache.

Um die Sache rund zu machen, haben Ror Wolf und Jürgen Roth für den Bayerischen Rundfunk ein neues und letztes, ein elftes Hörspiel zum Thema Fußball produziert: "Das langsame Erschlaffen der Kräfte – Ein Fußball-Hörstück in 6 Kapiteln". Mit ihm wird die Gesamtedition beschlossen, und Manfred Breuckmann, Christian Brückner, Günther Koch und Rudi Michel erweisen in dieser Produktion als Sprecher Ror Wolf die Ehre.

"Das langsame Erschlaffen der Kräfte" wurde am 10. März 2006 um 20.30 Uhr auf BayernRadio 2 urgesendet.
Am 15. März 2006 um 20 Uhr fand im Schauspiel Frankfurt die Deutschlandpremiere der Edition "Ror Wolf: Gesammelte Fußballhörspiele" statt – mit Ror Wolf, Ludwig Harig, Eckhard Henscheid, Herbert Kapfer, Rudi Michel und Jürgen Roth.

 

   
überneuesrecordskünstlerbestellenkontaktlinks